Projektgeschichte · CO₂-Hopfenextraktion
Im September 2020 stand Europa still. Grenzen waren dicht, Dienstreisen kaum möglich, viele Baustellen ruhten. In St. Johann, mitten im bayerischen Hopfenanbaugebiet Hallertau, lief zur selben Zeit eine Anlage an, die es in dieser Größe noch nirgends gab: die größte CO₂-Hopfenextraktionsanlage der Welt. Geplant und gebaut von Natex aus Ternitz. Und zwar pünktlich.
Wie das trotz Pandemie gelungen ist und welche technischen Nüsse dabei zu knacken waren, zeigt dieser Blick hinter die Kulissen.
Der Auftrag: Hopfenextrakt für Brauereien in aller Welt
Auftraggeber war die Hopfenveredlung St. Johann GmbH, ein Gemeinschaftsunternehmen des Hopfenhändlers BarthHaas und der Hopfenverwertungsgenossenschaft HVG. Am Standort wird nach Angaben des Betreibers rund ein Viertel der weltweiten Hopfenernte verarbeitet. Die neue CO₂-Anlage von Natex schafft davon rund 10.000 Tonnen Rohhopfen pro Jahr.
Was am Ende herauskommt, sieht unscheinbar aus: ein tiefgrüner Extrakt, zähflüssig wie Honig. Darin stecken die Alphasäuren, also genau die Stoffe, die dem Bier seine bittere Note geben. Brauereien schätzen den Extrakt, weil er sich im Sudhaus genau dosieren lässt, weniger Lagerplatz braucht als Hopfen in Pelletform und den Brauprozess beschleunigt.
Zwei Jahre Vorarbeit, bevor die erste Schraube saß
Eine Anlage dieser Größe kauft man nicht aus dem Katalog. Bevor die endgültige Bestellung kam, lagen bereits rund zwei Jahre technische Vorarbeit hinter dem Projekt. Danach dauerte es noch einmal knapp zwei Jahre bis zur Inbetriebnahme.
Das Herzstück sind acht Hochdruck-Extraktoren mit je 4.500 Litern Volumen, ausgelegt auf einen Betriebsdruck von 550 bar. Zur Einordnung: Ein Autoreifen hat rund 2,5 bar. In den Extraktoren herrscht also mehr als das 200-Fache davon.
Hopfen ist kein einfacher Rohstoff
Hopfen hat je nach Sorte einen hohen Anteil an ätherischen Ölen. Was für das Aroma im Bier gut ist, macht der Technik das Leben schwer. Bewährte Anlagenteile, die bei anderen Rohstoffen problemlos laufen, mussten deshalb gezielt angepasst werden.
Der Weg dorthin führte über systematische Versuche: Natex hat untersucht und auch ungeplant erfahren müssen, wie sich der Hopfen bei unterschiedlichen Prozessbedingungen verhält, und daraus individuelle technische Lösungen abgeleitet. So läuft es bei uns grundsätzlich: Jede Anlage beginnt mit Versuchen in der eigenen Pilotanlage, egal ob für Hopfen, Kaffee oder einen völlig neuen Rohstoff.
Mitten im Bau: Corona
Die zweite große Herausforderung hatte mit Verfahrenstechnik nichts zu tun. Die COVID-19-Pandemie traf das Projekt mitten in der Umsetzungsphase. Reisen zwischen Österreich und Deutschland waren plötzlich stark eingeschränkt, und eine Anlage dieser Größe nimmt man nicht per Videocall in Betrieb.
Mit Sondergenehmigungen und einem eingespielten Team, das auch unter diesen Bedingungen die Abstimmung zwischen Ternitz und St. Johann am Laufen hielt, gingen die ersten Teile der Anlage im September 2020 termingerecht in Betrieb.
Gefeiert wurde später: Die offizielle Eröffnung des Standorts musste wegen der Pandemie verschoben werden und fand im Oktober 2022 statt, laut Betreiber im Beisein des bayerischen Ministerpräsidenten.
Das Projekt in vier Etappen
- Phase 1ca. 2 JahreTechnische Vorarbeit
Versuche mit dem Rohstoff und Auslegung der Anlage, noch vor der endgültigen Bestellung.
- Phase 2knapp 2 JahreFertigung und Montage
Von der Bestellung bis zur Inbetriebnahme, ab 2020 unter Pandemie-Bedingungen.
- MeilensteinSeptember 2020Inbetriebnahme
Die ersten Anlagenteile gehen termingerecht in Betrieb.
- MeilensteinOktober 2022Feierliche Eröffnung
Wegen der Pandemie verschoben, dann offiziell gefeiert.
Energieeffizienz von Anfang an eingeplant
Nachhaltigkeit war bei diesem Projekt kein Nachgedanke, sondern stand von Tag eins im Lastenheft. Drei Punkte machen dabei den Unterschied:
Bei einer Anlage, die rund um die Uhr Tausende Tonnen verarbeitet, summieren sich solche Details über die Jahre zu einem spürbaren Kostenfaktor.
Gebaut für die nächsten 40 Jahre
Die Anlage in St. Johann ist auf Jahrzehnte Betrieb ausgelegt. Dass das bei Natex keine leere Ansage ist, zeigt ein Blick nach Italien: Die Entkoffeinierungsanlage für Lavazza läuft seit 1991 und verarbeitet heute mehr Kaffee, als ursprünglich geplant war.
Alle technischen Daten und Bilder zur Hopfenanlage finden Sie in der ausführlichen Projektbeschreibung zur größten Hopfenextraktionsanlage der Welt.





